Interview mit NATHANIEL SIMON LAVAL

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Fenria
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Interview mit NATHANIEL SIMON LAVAL

Beitrag von Fenria » Do 8. Aug 2019, 17:29

Herr Laval. Ihr Name Nathaniel Simon Laval klingt exotisch und nach einem Pseudonym. Wie kam es zu diesem Namen?
Tatsächlich handelt es sich um ein Pseudonym. Entstanden ist der Name nach reiflicher und langer Überlegung und dem Kriterium, dass die Anfangsbuchstaben S und L enthalten sein müssen. Aus dem einfachen Grund, dass sich in dem Namen gewissermaßen mein mir wichtigstes Werk, die ShadowLight-Reihe, wiederspiegeln sollte. Der Rest war mehr oder minder ein Herumexperimentieren, wie die Namenskombination am Ende am besten passt und klingt.

Wie kamen Sie eigentlich zur Schriftstellerei und haben Sie diese gelernt?
So lapidar es auch klingt: Aus Langeweile. Es waren Sommerferien, ich hatte nichts zu tun und ließ wie so oft, einfach meine Gedanken kreisen. In diesem Moment kam mir die Idee, für den Beginn einer Geschichte – damals noch als Kurzgeschichte geplant – und ich dachte mir: Warum nicht? Also begann ich zu schreiben und nach den ersten Stunden und siebzehn geschriebenen Seiten wusste ich, dass es nicht bei einer Kurzgeschichte bleiben würde. Mein erstes Werk „Krielar“, war geboren und fortan hörte ich nicht mehr auf zu schreiben.
Was das Lernen anbelangt: Jahrelanges üben. Wenn ich heute auf „Krielar“ oder „The Last Days“ zurückblicke, schäme ich mich fast ein wenig für meine Anfangsarbeiten, ähnlich verhält es sich mit meinen ersten Gehversuchen in richtigen Kurzgeschichten. Mein Schreibstil hat sich über die Jahre und Bücher hinweg immer weiter verfeinert, schlicht, weil ich seit meinen ersten Zeilen, nie damit aufgehört habe. Und noch heute lerne ich mit jeder geschriebenen Geschichte weiter, entwickle meinen Stil, gebe dem Ganzen quasi, meine eigene Handschrift.

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht schreiben?
Über neue Geschichten nachdenken.
Nein, natürlich besteht mein Leben aus mehr, als nur meinen Büchern. Nicht selten kommt es vor, dass ich diese schleifen lasse, weil ich mich mit meinem besten Freund und quasi Bruder treffe – häufig, um mich mit ihm über meine neuesten Veröffentlichungen zu unterhalten –, Zeit mit meiner Frau verbringe oder einfach nur auf der Couch entspanne und
zocke. Abgesehen davon, studiere ich derzeit noch Betriebswirtschaftslehre.
Tatsächlich aber vergeht kaum eine freie Minute, in der meine Bücher mir nicht im Kopf rumgeistern. Entweder in dem ich alte Szenen noch einmal durchspiele, um aus ihnen Inspirationen für den Fortgang zu finden oder weil ich gerade spontan eine neue Eingebung hatte, was häufig genug in der nächsten Kurzgeschichte endet.

Besonders Ihre Kurzgeschichten enden oder beinhalten oft den sogenannten Fingerzeig. Beabsichtigt, oder wollen Sie einfach nur Ihre Leser gut unterhalten?
Weder noch.
Zugegeben, es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass meine (Kurz-)Geschichten oftmals Gedankenanstöße und philosophische Ansätze enthalten, die mir täglich im Kopf rumgeistern, aber genau das ist auch der eigentliche Grund warum ich schreibe. Schreiben tue ich vordergründig, weil es mir Freude bereitet, aber auch, weil die Geschichten mir als eine Art Ventil dienen, um all den Gedanken Platz zu machen. Dabei habe ich jedoch selten wirklich Kontrolle über das, was ich schreibe. Für einen Nicht-Schreiberling mag das schwer nachzuvollziehen sein – meine Frau, die selbst schreibt, würde mir an dieser Stelle vorbehaltslos zustimmen –, aber für mich fühlt es sich in der Regel eher so an, als würden die Charaktere mir ihre Geschichten erzählen, die ich dann nur noch niederschreibe. In diesem Sinn kann ich nicht wirklich über den Fortlauf entscheiden oder bestimmen, welche Botschaften sie nun übermitteln.
An dieser Stelle vielleicht ein Zitat, aus Stephen King’s Roman „Finderlohn“, weil es so gut passt: „Ein guter Romanautor führt seine Figuren nicht, er folgt ihnen. Ein guter Autor erschafft die Ereignisse nicht, er beobachtet, wie sie geschehen und schreibt dann nieder, was er sieht. Ein guter Autor erkennt, dass er ein Sekretär ist, nicht Gott.“
Ich selbst sage dazu immer gerne, dass ich ein Sklave meienr eigenen Geschichten bin. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass der sogenannte Fingerzeig nicht bis zu einem gewissen Grad trotzdem erwünscht ist. Was der Leser dann daraus macht, bleibt aber freilich ihm überlassen.
Wie wir erfahren haben beinhalten Ihre Storys oft selbst erlebtes. Verarbeiten Sie solche Ereignisse somit in Ihren Geschichten?
Durchaus. Neben der Tatsache, dass meine Geschichten als Ventil dienen, dienen sie mir hin und wieder auch genau dafür. Die ShadowLight-Reihe ist hier insbesondere zu nennen, da sie zu gewissen Teilen aus meiner Vergangenheit besteht und Ereignisse mehr oder minder exakt wiederspiegelt. Dass dabei im bisher letzten Band sogar einige Bezüge bei herausgekommen sind, die mit ein bisschen Interpretationsspielraum ebenfalls als Verarbeitung der Vergangenheit gedeutet werden könnten – der sechste Band steht eigentlich für sich und hat mit meinem persönlichen Leben nur noch bedingt zu tun – kam eher unfreiwillig zustande.
Aber auch meine Kurzgeschichten beinhalten einiges selbst Erlebtes, wie beispielsweise „Betreten verboten!“, welche einige Jahre nach dem Besuch eines Lost Place zustande gekommen ist. Eine Nacht, die mir noch heute einen Schauer über den Rücken jagt…

Bei Ihrer ersten öffentlichen Lesung, bei der wir Gast sein durften, wurden Sie im Anschluss von einem Zuhörer gefragt ob Sie Rollenspiele spielen oder gar erstellen. Wie sehen Sie dies in Bezug auf Ihre Geschichten? Sind eventuelle Figuren aus Ihren Romanen für Rollenspiele erdacht oder gar geeignet?
Spielen, ja – wenn auch eher selten. Selbst erstellt, bisher nicht. Einzig für das „Brettspiel“ Dungeons & Dragons, habe ich einmal eine Kampagne geschrieben.
Ob meine Geschichten geeignet wären? Puh, ehrlich gesagt bin ich da zu wenig in der Materie, um das wirklich beurteilen zu können. Prinzipiell bieten meine Welten viele Möglichkeiten, aber vielleicht auch zu viele, um noch übersichtlich zu bleiben. Ein richtiger Konsens fehlt halt und da meine Werke alle in derselben „Welt“ spielen – will sagen, im selben Universum – müsste da schon eine Eingrenzung stattfinden, damit es nicht zu überladen wird.
Aber hey, wenn sich jemals jemand findet, der sich dieser Aufgabe annehmen wollen würde, wäre es mir eine Ehre, meine Bücher noch einmal in dieser Form aufbereitet zu sehen.

Einige Ihrer Kurzgeschichten wurden mittlerweile von Lesern vertont und sind im Internet als Hörspiel erhältlich. Wie stehen Sie dazu?

Jede Kurzgeschichte, die von mir vertont wird, erfreut mich aufs Neue, schlicht, weil es noch einmal eine gänzlich andere Form der Wertschätzung meiner Werke darstellt. Wenn man sich ansieht, was für eine Arbeit teilweise dahintersteckt – nicht selten, werden auch mehrere Leute für die unterschiedlichen Sprecher herangezogen –, dann bin ich jedes Mal wieder beeindruckt und fühle mich geehrt, dass sich jemand diesen Aufwand aufgebürdet hat.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus und wann kann man mit neuen Werken von Ihnen rechnen?
Weiter schreiben natürlich. Aktuell arbeite ich an einem Roman, den ich schon vor einiger Zeit begonnen habe, dann aber wegen „Der letzte Bericht“ unterbrechen musste. Dass dann auf diesen auch gleich noch ein zweiter Teil folgte, war so erst recht nicht geplant. Außerdem folgen immer dann, wenn mich einmal wieder die Muse küsst, weitere Kurzgeschichten und Band sieben, der ShadowLight-Reihe – eine unabhängige Kurzgeschichtensammlung, die noch einmal einige Charaktere und Ereignisse beleuchten soll, die innerhalb der Reihe selbst keinen Platz gefunden haben – befindet sich ebenfalls in Arbeit.
Sofern ich meinen aktuellen Rhythmus beibehalte, kann innerhalb des nächsten halben bis dreiviertel Jahres, mit einem neuen Roman gerechnet werden. Fast jedes meiner Bücher hat sich bisher, in diesen Zeitraum eingependelt. Kurzgeschichten hingegen, schreibe ich wie gesagt immer dann, wenn mir gerade die Inspiration kommt. Es kann sein, dass ich in einem Monat vier Geschichten hintereinander schreibe, genauso gut kommt es aber auch vor, dass ich vier Monate hintereinander gar nichts in der Hinsicht verfasse – beides Extremfälle, die bisher nur jeweils einmal vorgekommen sind, in der Regel schreibe ich alle ein bis zwei Monate eine Kurzgeschichte.

Wer sind Ihre großen Vorbilder und woher kommen Ihre Ideen zu ihren Geschichten?
Oh je, da lassen sich einige nennen. Meine Kurzgeschichten sind nicht selten von Stephen King, Clive Barker und neuerdings auch H.P.
Lovecraft inspiriert. Den Großmeistern des Horrors eben. Zu erwähnen sind aber auch John Saul, Dean Koontz und Sebastian Fitzek.
Für meine Fantasy-Romane hingegen fällt es mir etwas schwerer, explizite Beispiele zu nennen. Jonathan Stroud’s Bartimäus-Reihe hat mich damals sehr inspiriert, aber auch Tolkien und J.K. Rowling.
Pauschal würde ich aber sagen, dass fast jedes Buch, egal von welchem Autor, genauso wie diverse Filme, mich immer wieder auf Neues stoßen lassen oder Gedanken anregen. Eine abschließende Liste aufzustellen, wäre also ein Ding der Unmöglichkeit.
Was mich neben Buch und Film noch auf Ideen bringt, ist ebenso schwer zu benennen. Meine Umwelt, Gespräche mit der Familie, mit Freunden und Bekannten über allerlei Themen (aus einem solchen Gespräch entstand beispielsweise die Kurzgeschichte „Womit habe ich das verdient?“), aber auch unsere Gesellschaft im Allgemeinen oder aktuelle Ereignisse, regen wohl immer wieder mein Schreiberhirn an. Was es dann daraus macht, ist jedoch auch für mich, immer wieder eine Überraschung.
Wie gesagt, ich bin auch nur ein Sklave meiner eigenen Geschichten

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